Ein kleines Stück Wildblumenwiese

Der Garten ist ja für den gemeinen Häuslebauer so etwas wie sein Kleinod. Als bekennender Hobby-Biologe und Pflanzenliebhaber ist das bei mir nicht anders — willkommen in der Spießerwelt 😉

Weil in der Stadt gelegen musste unser Garten relativ klein ausfallen. Nichts desto trotz bieten die nur etwa 120 Quadratmeter Grünfläche genügend Raum für Pflänzchen und ein paar Spielereien.

Die Idee war immer, mit einem Teil des Gartens einen Gegenpol zu der relativ strikten Architektur unseres Hauses zu setzten. Diese setzt sich zunächst mit der Terrasse fort und endet an einem Zierkiesstreifen. Dahinter sollte es eher „wild“ zugehen.

Garten-Ansicht Richtung Westen

Soweit so gut, leider war die Grundstücksgrenze Richtung Westen nicht besonders schön anzusehen. Die verschiedenen Beerensträucher, die eine Art „Nasch-Hecke“ bilden, waren umgeben von hoch wachsendem Gras, Disteln und was sonst noch so wächst, wenn man nicht mäht und der Natur freien Lauf lässt. Blumen Fehlanzeige. Der Versuch auf wilden Wiesen schöne Gewächse auszugraben und in den heimischen Garten zu setzen war nicht von Erfolg gekrönt. So hatte ich mir die Wildwiese eigentlich nicht vorgestellt… und so beginnt man sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Fetter Boden – keine Wildblumen

Das Hauptproblem war schnell ausgemacht: Während ein Kulturrasen nur auf sehr nährstoffreichem, gut durchfeuchteten Untergrund wächst, gedeihen Wildblumen auf mageren Böden, die auch trockener sein dürfen. Jeder hat sicher schon die Mohn- und Kornblumen am Rand von Getreidefeldern gesehen — eben genau da, wo nicht gedüngt wird und keine Bewässerung stattfindet.

Der erste Schritt heißt also Boden abmagern. Dazu kann man das Düngen einstellen und Jahrelang warten oder aber man beschleunigt diesen Prozess, indem man die alte Grasnarbe entfernt und den Boden entsprechend aufbereitet. Ich habe mich für letztere Variant entschieden. Obwohl nur etwa 10qm umgestaltet werden sollten, kommen da ziemliche Unmengen an Biomasse zusammen. Erstmal das lange Gras und alles andere abschneiden, danach die oberste Bodenschicht mit dem Wurzelwerk entfernen… die 120 Liter Biotonne stößt da recht schnell an Ihre Grenzen.

Im nächsten Schritt wollte ich dann eine Begrenzung zur Rasenfläche setzen, denn die natürliche Grenze — einfach bis zu einer gedachten Linie mähen — hatte sich nicht wirklich bewährt. Eine preiswerte wie auch optisch ansprechende Lösung (Achtung Geschmackssache!) ist ein Produkt aus recyceltem Kunststoff, das unter dem Namen „Ecolat®“ bei den verschiedenen Online Händlern angeboten wird (Link dazu weiter unten).
Ecolat Rasenkante

Die Verarbeitung war zugegebenermaßen recht hakelig, weil das Zeug bei den niedrigen Temperaturen wie sie im Herbst herrschen echt widerspenstig ist. Erschwerend kamen unsere Bodenverhältnisse dazu, denn die Münchener Schotterebene bringt es mit sich, dass auch die aufgeschüttete Humusschicht voll ist mit Steinen verschiedener Größe. Die Rasenkante einfach mit dem Gummihammer in den Boden klopfen funktionierte nicht wirklich… am Ende dauert alles halt immer länger als geplant.

Die zuvor entfernte obersten Bodenschicht habe ich mit Sand wieder aufgefüllt und das Ganze ordentlich mit der Hake durchgemischt. Der sackweise Kauf von Sand empfiehlt sich hier eher weniger, bei „Yippie-Ja-Ja“ um die Ecke gibt es den sog. Baustoff-Drive-in, wo Kies, Sand usw. offen angeboten und pro Tonne abgerechnet werden.
Nach der Überwinterung und den strengen Frösten im Januar 2017 war der sandige Boden schön feinkrümelig und locker.

Die Mischung macht’s

Soweit so gut — wenn aber möglichst schnell eine größere Vielfalt an Blumen auf dem mühevoll aufbereiteten Stück Boden wachsen sollen, kann ich das Stück Erde nicht dem Zufall bzw. zur Gänze der Natur überlassen. Samenmischungen gibt es wie Sand am Meer — allerdings sollte man hier etwas genauer hinsehen. Neben dem Standort und dessen Bedingungen (sonnig, schattig, eher feucht oder trocken usw.) sollte man vor allem darauf achten, Saatgut für einheimische Blumen anzusäen. Im Handel werden unzählige „Promenadenmischungen“ angeboten, die aber größtenteils exotische Pflanzen beinhalten. Deren Auswirkungen auf die einheimische Wildflora sind nicht bekannt. Und selbst wenn sich diese bei meinen 10qm Wiese vermutlich in engen Grenzen halten würden, kommt es für mich schon aus Prinzip nicht in Frage. Genau genommen ist es nach dem Bundesnaturschutzgesetz sogar verboten, exotische Arten anzusiedeln. Wer es ganz genau wissen will, dem empfehle ich die Lektüre der Studie „Einjährige Blühmischungen oder dauerhafte Wildblumenwiesen? Nachhaltig oder nicht?

Damit war klar, dass es unbedingt Saatgutmischungen von ausschließlich einheimischen Blumen sein sollten. Ich habe mich für verschiedene Blumenwiesen-Mischungen entschieden: Nr. 13 „Wildblumen für Wildbienen“, Nr. 07 „Einjährige Sommerblumen Prachtmischung“ und Nr. 03 „Trespen-Halbtrockenrasenmischung“. Alles bestellt über den Shop von Syringa Duftpflanzen und Kräuter, denn hier liegt die Mindestbestellmenge meist bei 10qm. Andere Shops haben hier zum Teil höhere Untergrenzen.
Aus diesen drei Mischungen habe ich wiederum eine gemacht und diese Mitte März auf die vorgesehene Fläche ausgebracht. Außer anfangs ein bisschen wässern habe ich mich nicht groß drum gekümmert. Ende April brachen dann die ersten grünen Spitzen durch die Erde, das Bild unten zeigt das Ergebnis Mitte Juni. Experiment gelungen, zumindest für das erste Jahr. Mal sehen, wie es sich die nächsten Jahre entwickelt.

Blumenwiese

Ein paar Anleitungen und Tipps:

Shops:

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